FILM-KRITIK
Nächte,
die Sekunden dauern
Computerkünstler Andreas Chowanetz und sein Zeitraffer-Film über die Wiesn
Sein Arbeitszimmer ist sein Schlafzimmer. Kreativität auf zwanzig Quadratmetern: Vor dem Schlafengehen muß das Hängebett von der Decke herabgesenkt und über dem Schreibtisch eingerastet werden - dort. wo zwei Computermonitore von der Arbeitsweise des Künstlers zeugen.

Andreas Chowanetz wohnt praktisch, fast schon spartanisch. Dennoch ist es gemütlich in seinem Appartement in Starnberg. Auf Luxus legt er keinen Wert, ordnet alles seinen Projekten unter.Und daß dem Graphiker, der sonst für große Unternehmen Werbeplakate entwirft, die Ideen ausgehen, steht nicht zu befürchten. Eher schon, daß er seinen letzten Pfennig dafür hergibt, seine Ideen tatsächlich Wirklichkeit werden zu lassen.

Gerade erst hat sich Chowanetz einen lang gehegten Traum erfüllt: Eine nach seinen Plänen angefertigte Planeten-Installation wird in der Gemeinde Berg aufgestellt. Unser Sonnensystem als Miniaturausgabe darzustellen, war die Vorstellung, die diesem Werk zugrundeliegt. Zentriert um eine 50 Zentimeter große Sonne aus rostfreien, spiegelpolliertem Stahl, die auf einer kunstvoll angefertigten Säule in der Ortsmitte aufgestellt wird, werden die Planeten proportional zu ihrer Größe und zu ihrem Abstand zur Sonne ihren Platz einnehmen: Merkur, Venus, Erde, Mars, Jupiter, Saturn, Uranus, Neptun und Pluto. Wie verschwindend gering die Ausmaße unserer Erde sind, wird deutlich - in Chowanetz´ Installation ist sie kaum größer als ein Fingernagel. Die unfaßbare Weite im Weltall sei so selbst für Kinder "greifbar", glaubt der Künstler.

Noch mehr Aufsehen hat sein jüngstes Projekt erregt. "Oktoberfest im Zeitraffer" heißt der Erstlingsfilm, den Chowanetz in Eigenregie gedreht hat. Erst war es nur der geniale Einfall, die Geschichte eines Oktoberfests dokumentarisch einzufangen.

Mit vier digitalen Videokameras, die er zum Teil auf der Paulskirche installiert hatte, hielt er das Treiben auf der Theresienwiese mittels einer Filmischen Beschleunigung im Zeitraffer fest: den Aufbau der Zelte, die fieberhafte Aktivität, eine ganze Stadt in wenigen Wochen zu errichten, die Energie der Menschenmassen auf dem größten Volksfest Europas und schließlich der Abbau der Zelte, die Räumungsarbeiten, bis der Platz wieder kahl daliegt.

Herausgekommen ist ein halbstündiger Film, in dem die Tage und Nächte in Sekunden vorrüberziehen, das Treiben in den Bierzelten zu Lichteffekten komprimiert wird. Tausende Schnitte waren dazu nötig. Derart gerafft, wird die Wiesn fast zum surrealen Ereignis ...