FILM-KRITIK
Das ganze Oktoberfest
in 30 Minuten
Morgens um sieben ist die Welt noch in Ordnung.
Zumindestens aus der Vogelperspektive mit Blick auf die noch völlig leere Theresienwiese. In Sekundenbruchteilen geht die Sonne auf, taucht den Platz in gleißendes Licht. Der Film wird noch schneller: plötzlich herrscht geschäftiges Treiben auf der Wiesn, riesige LKW karren Unmengen Material haran:

Das größte Volksfest der Welt wird wieder aufgebaut. Zwei Minuten später stehen die Zelte, fünf Szenen weiter herrscht bereits dichtes Gedränge, Menschenmassen bewegen sich wie Ameisenschwärme zwischen rasenden Fahrgeschäften. Das Oktoberfest ist eröffnet.

Bereits 1997 hat er mit vier Kameras die Wiesn vom ersten Tag des Aufbaus am 10. Juni bis zum letzten Tag des Abbaus am 10. Oktober verfolgt. Jeden Tag, jede Stunde, bei jedem Wetter ließ er zwei Kameras vom Turm der St.-Paulskirche mitlaufen. Für die dritte Kamera ließ er ein Drehgestell für gleichmäßig Rundumschwenks und Fahrten bauen, mit einer vierten Kamera fing er Wiesn-Impressionen per Hand ein. Am Schluß hatte er jede Sekunde von den fünf Monaten dokumentiert.

Aus der Fülle des Materials suchte er 60 Stunden aus und komprimierte sie im Zeitraffer. So entstand der gewünschte Effekt, "alles das von der Wiesn sichtbar zu machen, was der Besucher sonst nicht erleben kann" so Chowanetz. Sechzig Stunden Material "fliegen" an dem Zuschauer in nur 30 Minuten vorbei. Beeindruckend, wie eine Dunstwolke sich über den Zelten ausbreitet, die Lichter am Abend fast gleichzeitig verlöschen und die Menschenmassen am Morgen wieder das Fest bevölkern. "Der Film zeigt die Wiesn wie eine Blühte, die wächst, gedeiht und wieder verwelkt". ...