FILM-KRITIK
Jodeln im Zeitraffer
Andreas Chowanetz hat einen spannenden Film über das Oktoberfest gedreht
Wenn jemand seinen Mercedes verkauft, dann muß es ihm sehr schlecht gehen. Andreas Chowanetz ging es aber sehr prima dabei, denn endlich hatte sich der Graphik-Designer aus Starnberg einen ebenso langgehegten wie eigenwilligen Traum erfüllt:

Im Juli 1997 begann er, den Aufbau des Oktoberfilms zu filmen. Dazu kaufte er sich vier Kameras, von denen er zwei auf der Paulskirche in hundert Meter Höhe plazierte. Mit den anderen beiden begab er sich immer wieder unter die Schausteller, um ihr Wuseln und Werkeln in Nahaufnahmen festzuhalten. Auch zur Wiesnzeit filmte er. Und schließlich auch noch den Abbau.

Als nach fünf Monaten alles im Kasten war, sichtete er wochenlang das Material und begab sich dann zum Schneiden ins Studio. Dort verlangte man dann 600 Mark pro Stunde. Und selbst, nachdem er einen Freundschaftspreis ausgehandelt hatte, ging ihm nach 200 Stunden allmählich das Geld aus. Um das Projekt doch noch zu retten, verhökerte er schließlich seine Nobelkarosse.

Was bringt einen 40jährigen Mann, der sein Geld normalerweise mit Illustrationen für die Werbebranche verdient, und zuvor noch nie eine Videokamera in seinen Händen hatte, plötzlich dazu, mehr als ein Jahr seines Lebens hinter Kameralinsen und in Schneideräumen zu verbringen und rund 50.000 Mark in einen Experimentalfilm zu investieren? "Ich bin da ganz naiv herangegangen", sagt Chowanetz. Nie hätte er gedacht daß sich die Arbeit so hinzieht und die Kosten derart explodieren.

Vom Ergeiz gepackt und vom Anspruch, etwas künstlerisches und bislang Einmaliges zu realisieren, wollte er diese "Reise durch die Zeit" auf keinen Fall abbrechen. Deswegen habe er monatelang Spinnen von den Objektiven entfernt und Hunderte von Kassetten gewechselt, deswegen habe er sich immer wieder auch nachts auf der Wiesn herumgetrieben. Das Ergebnis kann sich sehen lassen.

Aufgrund verschiedener Kompressionstechniken (manche Sequenzen hat er von 6000 Sekunden auf eine Sekunde verdichtet) und verblüffender Schnitte sieht der Betrachter das Oktoberfest in einer neuen Dimension – im Zeitraffer.

Da türmen sich sekundenschnell Cumulus-Wolken auf und schleudern Regenmassen herab, da fallen Bierzeltskelette zusammen wie Dominosteine, strömen Menschenmassen durch die Besucherstraßen wie in einem Ameisenhaufen, da blitzen Liebesäpfel und Bierkrüge im Zoom, und Riesenräder und Gebirgsketten leuchten in der Totalen.

Ein Trommelfeuer von Bildern, das durch Schwenks und Perspektivwechsel wie ein Kaleidoskop wirkt ...